StartRecht & BusinessBusinessUS-Glücksspiel-Bosse optimistisch – doch Prognosemärkte sorgen für Unruhe

US-Glücksspiel-Bosse optimistisch – doch Prognosemärkte sorgen für Unruhe

• Glücksspiel-Manager blicken optimistisch auf die kommenden Monate.
• Über 60 % erwarten weiter steigende Umsätze und Investitionen.
• Wachsende Sorge vor Prognosemärkten und neuen Wettmodellen.


Die Stimmung in der amerikanischen Glücksspielbranche bleibt weiterhin positiv. Laut einer aktuellen Erhebung der American Gaming Association (AGA) rechnen viele Führungskräfte der Industrie trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten mit weiterem Wachstum. Mehr als 60 Prozent der befragten Manager erwarten in den kommenden sechs bis zwölf Monaten steigende Investitionen, höhere Umsätze und stärkere Unternehmensbilanzen. Damit zeigt sich die Branche deutlich optimistischer als noch in den vergangenen Jahren.

Besonders auffällig: Die allgemeine Stimmung unter den Führungskräften erreichte den höchsten Wert seit dem dritten Quartal 2022. Der Net-Positive-Wert über zentrale Geschäftsindikatoren lag bei 21,4 Prozent. Das bedeutet, dass deutlich mehr Entscheider mit positiven Entwicklungen rechnen als mit negativen. Vor allem große Casino-Konzerne und Sportwettenanbieter scheinen weiterhin an das Wachstumspotenzial des US-Marktes zu glauben.

Beim Thema Investitionen zeigt sich die Branche offensiv. 62 Prozent der befragten Führungskräfte planen laut Studie, ihre Kapitalausgaben innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate zu erhöhen. Gleichzeitig erwarten jedoch viele Unternehmen, ihre Werbeaktivitäten zurückzufahren. Damit würde die Marketingintensität bereits zum zweiten Mal in Folge sinken. Die Branche setzt offenbar zunehmend auf stabile Kundenbindung statt auf aggressive Neukundenkampagnen.

Bill Miller von der American Gaming Association erklärt:

„Die legale, von Bundesstaaten und indigenen Behörden regulierte Glücksspielindustrie beweist weiterhin Widerstandsfähigkeit und Anpassungsfähigkeit in einem dynamischen wirtschaftlichen Umfeld.“

Der AGA-Präsident betonte zudem, dass viele Betreiber gezielt in Innovationen und hochwertige Unterhaltung investieren würden, während sie sich gleichzeitig auf ein immer komplexeres regulatorisches Umfeld einstellen müssten.

Neue Wettmodelle sorgen für Unruhe

Trotz der insgesamt guten Geschäftslage wächst innerhalb der Branche die Nervosität. Vor allem Prognosemärkte beziehungsweise Sport-Event-Kontrakte entwickeln sich laut der Umfrage zu einem der größten Risikofaktoren für regulierte Glücksspielanbieter. Ganze 81 Prozent der befragten Führungskräfte bezeichneten diese neuen Wettmodelle als „sehr erhebliches“ Risiko für die regulierte Glücksspielindustrie.

Der AGA-Chef warnt:

„Illegale Sportwetten über Sport-Event-Kontrakte dringen zunehmend in den Bereich legaler, staatlich und tribal regulierter Anbieter vor.“

Die Sorge ist nachvollziehbar: Plattformen wie Kalshi oder andere Anbieter von Event-Kontrakten bewegen sich regulatorisch teilweise außerhalb klassischer Glücksspielgesetze. Dadurch entsteht aus Sicht vieler Sportwettenanbieter eine neue Konkurrenz, die weniger strengen Regeln unterliegt. Besonders heikel ist dabei, dass viele dieser Angebote in Bundesstaaten verfügbar sind, in denen reguläre Online-Sportwetten weiterhin eingeschränkt oder verboten sind.

Kritiker aus der Sportwettenbranche werfen Prognosemärkten vor, klassische Glücksspielregeln zu umgehen. Während lizenzierte Wettanbieter hohe Steuern zahlen und strenge Vorgaben zum Spielerschutz erfüllen müssen, bewegen sich viele Anbieter von Event-Kontrakten in regulatorischen Grauzonen. Genau das sorgt in den USA zunehmend für politischen Druck und juristische Debatten.

Neben Prognosemärkten sorgen aber auch klassische wirtschaftliche Risiken für Unsicherheit. Inflation, neue Zölle und geopolitische Spannungen gelten laut der Umfrage weiterhin als zentrale Belastungsfaktoren für den operativen Betrieb vieler Glücksspielunternehmen. Gleichzeitig haben Sorgen über mögliche strengere Eingriffe durch Bundesbehörden zuletzt deutlich zugenommen.

Vor allem die Personalkosten setzen die Branche unter Druck. Rund 54 Prozent der befragten Führungskräfte nannten steigende Löhne als größten Kostenfaktor. Dahinter folgen Änderungen bei Steuern sowie regulatorische Anpassungen. Zusätzlich wächst der Wettbewerbsdruck durch neue Glücksspielangebote spürbar: 42 Prozent der Befragten sehen neue Spielformen inzwischen als relevantes Risiko – im dritten Quartal 2025 lag dieser Wert noch bei lediglich 25 Prozent.

Trotz dieser Herausforderungen bleibt die US-Glücksspielindustrie insgesamt auf Wachstumskurs. Viele Unternehmen investieren weiter in Technologie, digitale Angebote und neue Unterhaltungsformate. Gleichzeitig zeigt die Studie aber auch deutlich: Der Konkurrenzkampf um die Zukunft des amerikanischen Wettmarktes wird härter und regulatorische Grauzonen entwickeln sich zunehmend zum zentralen Streitpunkt der Branche.

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