• Sportradar betreibt künftig Online-Casino-Angebote über die neue Marke Playradar.
• Das Unternehmen verbindet dabei Sportdaten, Livestreams und Casino-Inhalte.
• Der Rollout der B2B-Plattform startet 2026 in regulierten Kernmärkten.
Sportradar wird zum Betreiber einer Online-Casino-Marke. Mit Playradar hat das börsennotierte Schweizer Sportdaten-Unternehmen nun eine neue Plattform vorgestellt, die Sportdaten, Livestreaming und klassische Casino-Inhalte für internationale Betreiber bündeln soll. Damit erweitert das Unternehmen sein bisheriges Geschäftsmodell, das bislang vor allem auf Daten, Quoten, Streaming, Integritätslösungen und Technologie für Sportwettenanbieter ausgerichtet war.
Im Kern geht es nicht um ein klassisches Endkunden-Casino unter Sportradar-Flagge, sondern um ein neues B2B-Angebot für lizenzierte Glücksspielunternehmen. Playradar soll Betreibern Inhalte liefern, die Sportwetten und Casino stärker miteinander verzahnen. Vorgesehen sind unter anderem virtuelle Sportangebote, Slots, Tischspiele, Arcade- und Crash-Games sowie hybride Formate, bei denen Sportübertragungen und Glücksspiel auf einem Screen zusammengeführt werden. Geplant ist außerdem ein „Live 24/7 Experience Centre“, in dem Nutzer gleichzeitig ein Event verfolgen und ein passendes Spielangebot nutzen können.
Carsten Koerl, Gründer und CEO von Sportradar, erklärt anlässlich der Vorstellung:
„iGaming ist eine natürliche und skalierbare Erweiterung unseres Geschäfts und eine strategische Beschleunigung unseres langfristigen Wachstumskurses.“
Strategisch erscheint der Schritt folgerichtig. Sportradar arbeitet bereits mit einem großen Teil der internationalen Wettbranche zusammen und argumentiert, dass viele dieser Kunden ohnehin sowohl Sportwetten als auch Online-Casino anbieten. Für das Unternehmen eröffnet das neue Segment zusätzliche Erlösquellen, mehr Cross-Selling-Potenzial und eine stärkere Monetarisierung bestehender Partnerschaften.
Das Timing ist ebenfalls kein Zufall: Laut den jüngsten Unternehmenszahlen erzielte Sportradar im Geschäftsjahr 2025 einen Rekordumsatz von 1,29 Milliarden Euro, was einem Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Ein wichtiger Personalbaustein ist dabei Edo Haitin, den Sportradar kürzlich als Leiter des iGaming-Geschäfts verpflichtet hat. Haitin war zuvor CEO von Playtech Live und bringt laut Unternehmen mehr als 20 Jahre Erfahrung aus den Bereichen Live-Casino, Produktentwicklung und operatives Management mit. Seine Aufgabe ist es, Playradar als eigenständige iGaming-Säule des Konzerns aufzubauen.
Playradar setzt auf regulierte Märkte und Sport-Casino-Hybride
Sportradar betont, dass Playradar ausschließlich in regulierten Online-Glücksspielmärkten angeboten werden soll. Der erste Rollout ist für 2026 vorgesehen, zunächst in Großbritannien, Nordamerika und Lateinamerika.
Das ist bemerkenswert, weil das Unternehmen damit bewusst auf Märkte setzt, in denen Online-Glücksspiel entweder bereits etabliert oder regulatorisch klarer gefasst ist. Für Betreiber ist das attraktiv, weil sich dort neue Inhalte meist schneller skalieren lassen als in juristisch unsicheren Regionen.
Sportradar zählt zu den wichtigsten Datendienstleistern der globalen Wett- und Sportbranche. Das Unternehmen verarbeitet nach eigenen Angaben mehr als eine Million Sportevents pro Jahr und arbeitet mit Partnern wie NBA, NHL, MLB, UEFA, FIFA und der Bundesliga. Dazu kommen Integritätsdienste, Quoten, Streaming und Marketinglösungen für Betreiber weltweit.
Der spannendste Punkt dürfte allerdings das Produkt selbst sein. Sportradar will nicht einfach nur Standard-Slots vertreiben, sondern vor allem sogenannte Hybridformate etablieren – also Spiele, die Sportmomente, historische Daten, Livestreams und Casino-Mechaniken miteinander verbinden. Genau hier versucht sich das Unternehmen von klassischen Casino-Plattformen abzugrenzen. Statt nur Inhalte zuzuliefern, will Sportradar seine Daten- und Streamingkompetenz in ein neues, sportnahes Casino-Erlebnis übersetzen.
Für die Branche ist der Schritt deshalb relevant, weil er zeigt, wie stark die Grenzen zwischen Sportwetten, Medien, Daten und Online-Casino zunehmend verschwimmen. Sportradar war bislang vor allem Zulieferer und Infrastrukturpartner. Mit Playradar rückt das Unternehmen nun deutlich näher an das eigentliche iGaming-Produkt heran. Damit positionierten sich die Schweizer offensiver in einem Markt, der für viele Technologieanbieter zur nächsten Wachstumsstufe geworden ist.

